Interview mit Marco Andreu und Michael Prucha, Gründer von ziiig (ziiig.net)

Interview mit Marco Andreu und Michael Prucha, Gründer von ziiig (ziiig.net).

Gruppenaktivitäten übersichtlich und mühelos planen — dieses Ziel verfolgen Marco Andreu, Michael Prucha und ihr Team. Letzten Frühling haben sie eine voll funktionsfähige Beta-Version ihrer Plattform lanciert und berichten im Gespräch mit socialdesign über ihre Beweggründe, Tücken der Softwareentwicklung und ihre Pläne für die Zukunft.

Michael Prucha, Marco Andreu, weshalb “braucht” es Ihre Plattform, welches Problem löst sie?

Andreu: Einen Ausflug, ein Abendessen oder einen Sporttag zu organisieren kann schnell ziemlich stressig werden. Mit E-Mail oder Anwendungen wie Doodle und Whatsapp  verbringt man oft viel Zeit damit, bei Teilnehmern nachzufragen. Ferner ist das Koordinieren von Vorbereitungsarbeiten oft eine Krux, das berühmte “wer macht was bis wann”. Am Ende sind dann alle Informationen zum Event auf verschiedenen Anwendungen verteilt, d.h. Das Datum in Doodle, Diskussionen in irgendwelchen E-Mails oder Chats, die Aufgaben bei WhasApp oder Facebook etc.

Prucha: Mit ziiig hingegen finden sich alle diese Funktionen und Informationen an einer zentralen Stelle. Alles wird übersichtlich und ist über einen Browser für alle Teilnehmer zugänglich. Personen, die nicht antworten, werden von ziiig automatisch daran erinnert. Kurz gesagt, es handelt sich um eine Online-Plattform, die eine integrierte und mühelose Planung von Gruppenaktivitäten ermöglicht.

Wie ist die Ideen entstanden, gemeinsam diese Plattform zu entwickeln?

Prucha: In meinem früheren Job als Unternehmensberater habe ich oft selber Team-Events wie Ski-Wochenenden oder, kleinere Feste organisiert. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, wie schwierig es sein kann, ein geeignetes Datum oder einen Ort zu finden und sicherzustellen, dass alle Vorbereitungen erledigt werden und alle Personen über die relevanten Details Bescheid wissen. So entstand die Idee, und ich begann an einem Tool zu arbeiten, das all diese Probleme adressiert. Leider musste ich die Entwicklung damals aufgrund finanzieller Engpässe unbestimmt auf Eis legen und kehrte wieder zu meinem vorherigen Job zurück.

Andreu: Michael und ich haben uns dann in unserer Tätigkeit als IT-Berater auf einem Beratungsprojekt kennengelernt und uns angefreundet. Bei einem Drink nach der Arbeit hat mir Michael von seiner Anwendung erzählt. Ich fand die Idee spannend und hatte auch meine eigenen Inputs, wie man die Software erweitern und noch verbessern könnte. Im Herbst 2016 haben wir dann gemeinsam einen Neustart gemacht, d.h. zusammen angefangen, das Konzept und die Software weiterzuentwickeln. Im Verlaufe der Zeit ist noch die Designerin Mirjam Egger hinzukommen sowie weitere Personen, die uns bezüglich rechtlichen Fragen, Design, Kommunikation sowie beim Testen der Software unterstützen.

Im Frühling haben Sie eine voll funktionsfähige Beta-Version lanciert. Welche Erfahrungen haben Sie, resp. die User, seither mit ziiig.net gemacht?

Andreu: Zunächst waren wir einfach einmal sehr, sehr glücklich, dass die Plattform stabil läuft (lacht). Gravierende technische Mängel gab es keine und wir haben ein durchwegs positives Feedback von unseren Usern erhalten. Die Benutzung scheint den Leuten auch Spass zu machen und es werden ziemlich unterschiedliche Events damit organisiert. Vom Junggesellenabschied über Städtereisen bis zu Bergsport-Aktivitäten. Natürlich gibt es aber auch noch Punkte, mit denen wir nicht zufrieden sind.

Prucha: Ein Punkt, der wiederholt bemängelt wurde ist, dass man angemeldet sein muss um ziiig zu nutzen. Wir befürchten, dass dies auch neue potenzielle Nutzer, welche die Plattform an sich spannend finden, abschreckt, da sie nicht direkt einen Accout erstellen möchten. In den letzten Wochen haben wir deshalb verschiedene Anpassungen vorgenommen und ab September können dann auch Personen ohne Benutzerkonto auf den vollen Funktionsumfang zugreifen.

Wer ist die wichtigste Zielgruppe für Ihre Anwendung?

Prucha: Wir haben anfangs verschieden Zielgruppen definiert — vor allem private Nutzer, die Events mit ihren Freunden organisieren. Mittlerweile schauen wir aber vor allem auf die Daten, sprich, wer die existierenden Nutzer sind und wie sie die Plattform tatsächlich verwenden. Wir führen auch Interviews mit Nutzern durch, wenn dies möglich ist. Die Beobachtung halten wir jeweils alle sehr genau fest.

Andreu: Beispielsweise haben wir sehen können, dass es sich im Bergsport-Bereich eher um kleine Gruppen handelt, die sich gut kennen und deshalb nicht unbedingt ein spezifisches Tool verwenden wollen um eine Wander- oder Skitour zu planen. Allgemein kristallisiert sich heraus, dass die Plattform zwar für Freizeitaktivitäten genutzt wird, sie aber den größeren Nutzen bringt für Personen, die beruflich oder in einem Verein regelmäßig Gruppenaktivitäten organisieren müssen. Daher sind wir aktuell im Gespräch mit Promotionsagenturen und Event-Koordinatoren, die einen grossen Pool von Freelancern haben und immer wieder Aktivitäten mit diesen Freelancern durchführen. Ferner loten wir Möglichkeiten im Vereins- und NGO-Bereich sowie bei Jugendorganisationen aus.

Ist der Dienst kostenpflichtig und wie planen Sie, diesen langfristig zu monetarisieren?

Prucha: Der Dienst kann frei genutzt werden und das wird auch so bleiben. Allerdings überlegen wir, längerfristig zusätzliche Funktionen für Premium-Nutzer anzubieten wie bspw. Event-Vorlagen oder das Erstellen von Tagesprogrammen. Ferner gibt es auch die Idee, ab einem gewissen Datenaufkommen Werbung zu schalten und, wenn entsprechender Bedarf besteht, dedizierte Plattformen für grosse Unternehmen anzubieten.

Andreu: Wir wurden auch schon darauf angesprochen, gewisse Teil-Funktionalitäten auszulagern, wie bspw. unsere Programmierschnittstelle für das Generieren von E-Mails und Kalender-Einträgen. Mit diesen Bestrebungen stehen wir allerdings noch am Anfang. Es bleibt auf jeden Fall spannend!

Vielen Dank für diesen interessanten Einblick und weiterhin viel Erfolg mit ziiig.

 

 

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