Metaevaluation

Aus: spectra Nr. 84, Newsletter Gesundheitsförderung und Prävention/ Januar 2011, S. 10

Wie wirksam ist gendersensible Suchtarbeit?

2008 hat das Bundesamt für Gesundheit beschlossen, die Wirksamkeit gendersensibler Suchtarbeit zu evaluieren. Die Wirksamkeitsanalyse sollte zu einem vertieften Verständnis beitragen, wie gendersensible Arbeit wirkt und welche Faktoren die Wirkung begünstigen. Insofern sollte die Analyse auch Hinweise auf weiteren Handlungsbedarf liefern. Dazu wurden die Erkenntnisse von bestehenden Evaluationen von Institutionen im Suchtbereich von socialdesign Bern zusammengetragen und dokumentiert.
Die Ergebnisse der Metaevaluation lassen sich wie folgt zusammenfassen: Gendersensibles Arbeiten begünstigt das Erreichen der Zielgruppen, es schafft bessere Bedingungen für Veränderungsprozesse und unterstützt dadurch Verhaltens- und Einstellungsveränderungen und es fördert die Zufriedenheit der Klientinnen und Klienten. Diese Wirkungen werden erreicht mittels konsequenter Orientierung an den Bedürfnissen der Klientinnen und Klienten, einschliesslich Überlebenshilfe, gezielten Empowerments und der gendergerechten Gestaltung der therapeutischen Angebote. Basierend auf den Ergebnissen formulieren die Autorinnen der Studie folgende Empfehlungen:

  • Gendersensibles Arbeiten verbessert die Wirksamkeit der Suchtarbeit. Es ist deshalb an der Zeit, von allen Einrichtungen die wichtigsten Bedingungen gendersensibler Arbeit auf Struktur und Prozessebene verbindlich einzufordern. Eine geeignete Grundlage dafür könnte das QuaTheDA-Referenzsystem sein, das klare Anforderungen an die Struktur- und Prozessqualität definiert (QuaTheDA = Qualitätsnormen für Therapien im Drogen- und Alkoholbereich).
  • Evaluationen gendersensibler Arbeitsweisen sind selten. Um künftig noch besser zu verstehen, was weshalb wirkt und was nicht, sollten vermehrt Evaluationen durchgeführt sowie andere Formen der Selbstreflexion gestärkt werden.
  • Schliesslich mangelt es generell an Wirkungsevaluationen in der Suchthilfe. Das Projekt QuaTheDa-E will einen Beitrag dazu leisten, dass sich dies ändert. QuaTheDa-E soll Aufschluss darüber geben, wie und mit welchen Instrumenten Ergebnisse im Suchtbereich gemessen werden können. Wenn auch die Struktur- und Prozessmerkmale betreffend Gendersensibilität mittels QuaTheDA erfasst werden, so könnte auf diesem Weg die Wirksamkeit gendersensibler Arbeit künftig noch besser dokumentiert und ihre Wirkungsbedingungen besser verstanden werden.

Kontakt: Pia Oetiker, Sektion Drogen, pia.oetiker@bag.admin.ch
Quelle: Lisa Guggenbühl, Charlotte Bütler, Regula Ruflin (2010). Schlussbericht Metaevaluation zur Wirksamkeit gendersensibler Suchtarbeit. Socialdesign im Auftrag des BAG.

Artikel in der Zeitschrift “Suchtmedizin in Forschung und Praxis” (2/2012, Seiten 55 – 69)

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