„Lausanne hat erfreuliche partizipative Verfahren in ihrer Stadtteil- und Quartierpolitik“

Am 10. Oktober 2018 hat in Lausanne eine Tagung zum Thema «Zwischen gewöhnlicher Stadt, Quartieren und Projekten: Diskussion zur Quartierpolitik und partizipativen Verfahren in Lausanne» stattgefunden. Dieser Erfahrungsaustausch wurde gemeinsam von der Stadt Lausanne und der Universität Lausanne organisiert. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und konnte fast 120 Teilnehmende zusammenbringen, die in diesen Projekten in Lausanne und anderen Westschweizer Städten involviert sind. Unsere Projektleiterin, Dr. Cyrielle Champion, wohnte der Veranstaltung bei und berichtet im Interview über die wichtigsten Erkenntnisse.

Cyrielle, du hast an der Tagung teilgenommen. Worum ging es bei der Tagung und welche Fragen standen im Zentrum?

Seit mehreren Jahren betreibt die Stadt Lausanne eine aktive partizipative Politik. Das heisst, sie räumt den Quartieren und Stadtvierteln eine neue Rolle in der kommunalen Politik ein und ermöglicht ihnen dadurch, am städtischen Leben teilzunehmen und sich auszudrücken. Zu den bereits eingeführten partizipativen Instrumenten gehören beispielsweise die “Stadtviertelverträge” (Contrats de quartier) oder die so genannte “Caravane des Quartiers“. Viele dieser Instrumente wurden kürzlich Gegenstand externer Evaluationen.

Mit der neuen Legislaturperiode will die Stadt Lausanne ihre Quartierpolitik verstärken und die Beteiligung ihrer Einwohnerinnen und Einwohner zu einem vorrangigen Ziel machen. Im vergangenen März hat die Stadt Lausanne daher ein Programm verabschiedet, welches bestehende Elemente konsolidiert, also zusammenführt, aber auch neue Instrumente integriert. Das Programm umfasst verschiedene Aspekte, beispielsweise die Einführung eines partizipativen Haushaltsbudgets zur Sicherstellung eines finanziellen Zuschusses für Bürgerprojekte, die Schaffung einer Stelle für die Koordination dieser Politik oder die Schaffung einer kommunalen Delegation für die Quartierpolitik.

Die Tagung verfolgte verschiedene Ziele: Zunächst sollte eine Bestandesaufnahme der bestehenden Evaluationen vorgenommen werden. Weiter sollten die Ergebnisse der direkt betroffenen lokalen Akteurinnen und Akteuren (Mitarbeitende der Stadt Lausanne, Vertretende von lokalen Vereinen und Gesellschaften) bekannt gemacht werden. Zudem standen der Austausch und die gemeinsame Reflexion hinsichtlich der Fragen, inwiefern eine partizipative Politik nützlich und wirksam sein könnte, im Zentrum.


Inwiefern war socialdesign bei dieser Veranstaltung involviert?

socialdesign führte im Auftrag der Stadt Lausanne die Evaluation der «Caravane des quartiers» durch. Dabei handelt es sich um ein Instrument, das von der Stadt Lausanne unterstützt wird und die Beteiligung von Einwohnerinnen und Einwohnern und Nachbarschaftsgesellschaften in den Mittelpunkt des Ansatzes stellt. «Caravane des quartiers» ist eigentlich die Ablösung des ehemaligen Festivals von Lausanne (Fêtes de Lausanne) und findet mittlerweile alle zwei Jahre als kostenlose Veranstaltung statt. Dabei bietet die Caravane in jedem Stadtviertel, in welchem sie Halt macht, Wanderausstellungen, Konzerte oder ganz generell einfach Ausstellungen an. Ziel dieses Quartierfestivals, der Caravane des quartiers, war es zunächst, die Verbindungen zwischen Vereinen, Gemeinschaften und Bewohnenden eines Quartiers zu stärken, aber sie auch direkt in das Leben jedes Quartiers einzubeziehen. Konkret wurden die Bewohnerinnen und Bewohner sowie Vereine in jeder Phase auf drei Arten involviert: Als Organisatoren, als Teilnehmende und als Zuschauende der Veranstaltung.
Als Evaluatorin dieses Tools, also der Caravane des quartiers, wurde socialdesign eingeladen, die Ergebnisse der Evaluation an der Tagung zu präsentieren und am morgendlichen Rundentisch über diese Ergebnisse sowie Resultate aus bisherigen ähnlichen Mandaten zu diskutieren.

Zu welchen Erkenntnissen hat der Austausch an der Tagung geführt?

An der Tagung konnten eine Reihe von Herausforderungen identifiziert und diskutiert werden, denen es in den kommenden Jahren zu begegnen gilt. Beispielsweise stellt sich natürlich die Frage, inwiefern bestimmte Bevölkerungsgruppen Zugang finden können oder sich beteiligen können. Dazu gehören etwa Kinder oder Personen mit Migrationshintergrund, deren Stimme oft vergessen gehen kann. Weiter sind Fragen zu klären, wie man am besten über die Rahmenbedingungen eines Projektes kommuniziert und was die jeweiligen Rollen der Akteurinnen und Akteure ist. Dabei habe ich der Diskussion vor allem entnommen, dass es für die Wirksamkeit eines partizipativen Ansatzes wichtig ist, bereits zu Beginn transparent auf allfällige Grenzen eines Projektes, die aufgrund der Rahmenbedingungen bestehen, hinzuweisen. Zudem sollen partizipative Ansätze in der Lage sein, die Trennung zwischen top-down Prozessen (z.B. Steuerung durch die Verwaltung) und bottom-up Prozessen (z.B. die Idee der «allmächtigen» Bürgerinnen und Bürger) überwinden zu können und zu erkennen, dass alle Akteurinnen und Akteure (Verwaltung, Fachpersonen, Einwohnende und Vereine) eine Rolle in diesen Prozessen spielen müssen.

Wie beurteilst du die Politik von Lausanne im Bereich der Quartierpolitik und der partizipativen Ansätze?

In der Westschweiz ist Lausanne in den Überlegungen und Projekten in Bezug auf Quartierpolitik und partizipative Ansätze bereits sehr weit.
Im Rahmen des neuen Programms, welches letzten März verabschiedet worden ist, hat die Stadt Lausanne auch den Wunsch geäussert, die Beteiligung ihrer Einwohnerinnen und Einwohner zu verstärken und zwar in dem Sinne, dass es eine echte Beteiligung ist und nicht lediglich eine Alibi-Beteiligung. In diesem Punkt ist die Einführung eines partizipativen Budgets aus meiner Sicht besonders vorbildlich.
Weiter habe ich von der Stadt eine echte Bereitschaft wahrgenommen, zwischen den Abteilungen und den betroffenen Bereichen transversal zu arbeiten. Meiner Meinung nach ist dies von grundlegender Bedeutung, wenn es darum geht, auf Vorschläge zu reagieren, die auf der Sachkenntnis des Gebiets (z.B. durch Feldstudien) und der täglichen Realität der jeweiligen Quartierbewohnenden basieren. Als Spezialistin für institutionenübergreifende Zusammenarbeit ist dies ein Ansatz, den ich auch immer gefördert und befürwortet habe, auch wenn dies nicht immer der einfachste Weg ist.

Vielen Dank für dieses Interview.

Potenzial von Organisationen im Handlungsfeld der Sozialen Arbeit aus struktureller Sicht

Im Gespräch mit Herrn Valentin Meichtry, Initiator und Geschäftsführer von Sozialkanal.ch, spricht unsere CEO Dr. Regula Ruflin darüber, wo das strukturelle Potential von Organisationen im Handlungsfeld der Sozialen Arbeit liegen kann. Doch was heisst überhaupt «Potential»? Und bezieht sich das Potential auf eine Organisation selbst oder deren Klientinnen und Klienten? Welche Strukturen sind vorhanden und wovon werden diese beeinflusst? Und welchen Herausforderungen begegnen Organisationen in sozialen Handlungsfeldern? Diesen und weiteren Fragen wird im Gespräch nachgegangen. Erfahren Sie hier unsere Gedanken und Lösungsansätze.

 

 

Projekte zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts

Interview mit Dr. Robert Sempach, Projektleiter Gesundheit bei Migros-Genossenschafts-Bund, Direktion Kultur und Soziales

Unser Interviewpartner, Dr. Robert Sempach, ist Projektleiter Gesundheit beim Migros-Genossenschaftsbund, Direktion Kultur und Soziales. Socialdesign durfte ihn im Hinblick auf die (Weiter-) Entwicklung der beiden Projekte Tavolata und Caring Communities (CC) unterstützen. Hier erfahren Sie, was hinter den beiden Begriffen resp. den dazugehörigen Projekten steckt. Weiter berichtet Robert Sempach über die Zusammenarbeit mit socialdesign.

Herr Sempach, können Sie uns kurz erläutern, was hinter den Begriffen «Tavolata» und «Caring Communities» steckt?

Die Abteilung Soziales des Migros-Kulturprozent beobachtet gesellschaftliche und sozialpolitische Entwicklungen und stärkt mit Projekten, die eine gesellschaftliche Dringlichkeit haben, den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Projekte werden mit Kooperationspartnerinnen und –partnern entwickelt und vor Ort umgesetzt, wo sie ihre Wirkung entfalten. Zwei typische Projekte der Abteilung sind „Tavolata“ und „Caring Communities.

  • «Tavolata» steht für selbstorganisierte Tischgemeinschaften und soziale Kontakte im Alter. Der Projektname stammt aus dem Italienischen und bedeutet «Tafelrunde». Tavolatas gibt es seit dem Jahr 2010, inzwischen sind in fast allen Kantonen der Schweiz rund 400 selbstorganisierte Tischrunden à ca. 6-12 Mitglieder entstanden. Bemerkenswert ist, dass diese Gruppen „zu einem Modell sorgender Gemeinschaften“ wurden. „Es finden sich viele Hinweise, dass die Gruppen für die Einzelnen Hilfe und Unterstützung leisten, auch in schwierigen Lebenslagen.“ (Studie der ZHAW, 2018).
  • Damit lässt sich der Bogen zu «Caring Communities» schlagen. Dieses Projekt befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Es wurde durch die positiven Wirkungen von Tavolata inspiriert, verfolgt jedoch einen breiteren Ansatz, um Lösungsmöglichkeiten auf die Trends unserer Zeit (Individualisierung, Digitalisierung, Mobilität, demografischer Wandel) zu entwickeln. Diese Trends fordern den gesellschaftlichen Zusammenhalt neu heraus: Wer sorgt heute angesichts dieser Megatrends dafür, dass Menschen füreinander Sorge tragen, ganz direkt und ganz konkret? Wie können wir neue Gemeinschaften in der Gründungsphase und beim Austausch mit anderen CC-Initiativen unterstützen? Auf diese Fragen suchen wir gemeinsam mit Engagierten und Praxispartnerinnen und -partnern Antworten und dies anhand von wissenschaftlichen Recherchen, Tagungen und Workshops oder dem Aufbau eines nationalen Netzwerks.


Was waren die Beweggründe für die Entwicklung der Angebote «Tavolata» und «Caring Communities»?

Bei Tavolata bewegte uns zuerst die Fragestellung: „Wie können wir Zufriedenheit und Wohlbefinden im Alter fördern?“ Aus diesem Beweggrund entstand schliesslich die Projektidee, selbstorganisierte Tischgemeinschaften zu lancieren und ein Tavolata Netzwerk mit regionalen Tavolata Verantwortlichen (RegTaV) aufzubauen. Zurzeit engagieren sich rund 20 RegTaV für das Netzwerk, bis Ende 2019 möchten wir die Zahl auf 40 verdoppeln.
Dass wir seit einem Jahr das Thema „Caring Communities“ aufgegriffen haben, hängt einerseits mit unserer neuen Abteilungsstrategie zusammen, in der wir uns stärker auf die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts fokussieren. Andererseits hat uns die Weiterentwicklung von Tavolata den Blick geöffnet, wie wir mit unserem Knowhow und unserer Projektmethodik Selbstorganisation und Partizipation in verschiedenen Lebensbereichen und mit Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen anstossen können. Die äusserst positive Resonanz auf unsere erste nationale Tagung vom 20. Juni 2018 zeigt uns, dass das Thema von hoher gesellschaftlicher Relevanz ist.

Wie verlief die Zusammenarbeit mit socialdesign oder anders gefragt, inwiefern konnte socialdesign Ihnen eine Unterstützung bieten?

Nachdem wir uns entschieden hatten, das Caring Communities-Thema weiterzuverfolgen, hat socialdesign eine breite Recherche für uns durchgeführt. Beim ersten Workshop mit Schlüsselpersonen aus der Caring Communities Szene hat Martina Schlapbach von socialdesign im Gottlieb Duttweiler Institut das Eröffnungsreferat gehalten und für die Ergebnissicherung gesorgt. Anschliessend hat sie Expertinnen und Experten sowie Laien zu zentralen CC-Aspekten befragt. Auch das Programm der nationalen Caring Communities Tagung vom 20. Juni 2018 wurde gemeinsam mit socialdesign und Prof. Christoph Steinebach von der ZHAW entworfen. Manuela Spiess hat die Ergebnisse der Umfragen vorgetragen und die wichtigsten Erkenntnisse der Tagung mittels einer Online-Befragung bei den Teilnehmenden gesichert.
Ausserdem hat uns socialdesign bei der Vorbereitung zur Entwicklung einer zukunftsgerichteten Organisationsstruktur für Tavolata massgeblich unterstützt.
Die Zusammenarbeit mit socialdesign war ausgesprochen ergebnisorientiert, professionell und trug wesentlich zur erfolgreichen Projektentwicklung bei. Die Grundlagenarbeiten waren sehr fundiert.

Was sind die bisherigen Lessons Learned im Zusammenhang mit den beiden Projekten?

Tavolata hat uns vor allem gelehrt, dass es Zeit und Geduld braucht, bis sich Projekte, in denen „Selbstorganisation“ und „Empowerment“ einen wichtigen Stellenwert einnehmen, etablieren. Im Zuge der Ausdehnung über alle Landesregionen und der Weiterentwicklung von Tavolata haben wir gelernt, dass sich Spannungen und Widersprüche nicht wegbügeln lassen, sondern als Lernchancen betrachtet werden müssen. Die Tavolata-Idee, „selbstorganisierte Tischgemeinschaften zu fördern“, klingt zwar einfach und einleuchtend. Doch spätestens bei der Frage: „Wie lässt sich ein Netzwerk oder eine Organisation der Selbstorganisation aufbauen?“ wird deutlich, dass es sich um ein komplexes Unterfangen handelt. Das setzt die stetige Bereitschaft voraus, Erfahrungen aus der Praxis und konzeptionelle Handlungsentwürfe in einen fruchtbaren Austausch auf Augenhöhe zu bringen. Was in der deutschen Schweiz oder in städtischen Regionen gut funktioniert, kommt auf dem Land oder in der Romandie vielleicht kaum vom Fleck und es braucht andere Zugänge, um die Projektidee zu verbreiten.

Diese Co-kreative Haltung wird uns sicher bei der Entwicklung des CC-Netzwerks und der CC-Fördermassnahmen zugutekommen. Wir haben zwar unsere Erfahrungen und unser Knowhow im Projektmanagement, aber wir müssen uns bei einem neuen Thema immer wieder neu intensiv mit den Bedürfnissen der Projektnutzenden und den konkreten Rahmenbedingungen auseinandersetzen, um einen gemeinsamen Weg zu finden.

Was ist in Zukunft in Bezug auf Tavolata und Caring Communities zu erwarten?

Bei Tavolata planen wir im Verlaufe der nächsten zwei Jahre gemeinsam mit Partnerorganisationen eine nachhaltige Trägerstruktur mit je einer Geschäftsstelle Deutschschweiz und Romandie/Tessin aufzubauen. Nach acht Jahren strategischer und operativer Verantwortung beim Migros-Kulturprozent ist die Zeit reif, das in allen Landesteilen bekannte Projekt so weit wie möglich in bestehende Regelstrukturen zu überführen bzw. mit nationalen Partnerorganisationen, welche die Anliegen von Tavolata teilen, gemeinsam weiterzuführen.
Der Weg, den das CC-Projekt einschlagen wird, ist noch vage. Es sind weitere Workshops mit Schlüsselpersonen aus der Wissenschaft und Praxis geplant, um Struktur und inhaltliche Schwerpunkte eines nationalen Netzwerks sorgfältig abzuklären und zu eruieren. Wer in welcher Form das Netzwerk mitgestalten und mittragen wird und welche inhaltlichen Themen im Vordergrund stehen werden, muss sich erst noch weisen. Denkbar ist auch, dass das Migros-Kulturprozent eine „partizipative CC-Schriftenreihe“ herausgeben wird und weitere Fördermassnahmen für innovative CC-Projekte entwickelt. Zurzeit laufen die entsprechenden Abklärungen.

Vielen Dank für dieses Interview.

Die Evaluation ist nicht der Eindringling im Projekt

Wie lässt sich ein Projekt kreativ und kompetent evaluieren? Wie gestaltet man eine Evaluation als Lernprozess für alle Beteiligten? Mit diesen Schlüsselfragen setzt sich aktuell das Evaluationsteam von euforia intensiv auseinander: euforia fördert als soziale Organisation mit Sitz in Genf das sinnhafte Engagement von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Ein aktuelles Projekt ist The Unleash Project – euforia bietet damit eine Plattform, um sich über innovative und zukunftsgerichtete Arbeitsmodelle auszutauschen. Der Austausch findet im Rahmen von regelmässigen Wochenend-Workshops statt, in denen junge Berufsleute, Fachpersonen und Arbeitgeber die Arbeitswelt von heute und morgen verbinden.

Das Evaluationsteam von euforia entwickelt in The Unleash Project aktuell ein Evaluationsdesign, welches Wirkung effizient messen und zugleich partizipative Lernprozesse fördern soll. socialdesign unterstützt euforia bei der Entwicklung und Anwendung dieses Evaluationsdesigns. Im Interview erzählt Luís Costa, Evaluator bei euforia, von «der Mission, Innovation in eine Evaluation zu bringen» – und teilt Herausforderungen, Schlüsselerkenntnisse und Erfolgsrezepte.

Luís, während den letzten Monaten habt ihr ein Evaluationsdesign für The Unleash Project entwickelt und laufend angewandt. Welche Ziele verfolgt ihr mit der Evaluation?

Wir verfolgen zwei übergeordnete Ziele: Erstens ist unser Ziel eine Evaluation, welche direkt in das Projekt eingebettet ist und allen Beteiligten laufend neue Erkenntnisse zur Weiterentwicklung des Projektes liefert. Zweitens wollen wir wissen, welche Wirkungen wir mit dem Projekt erzielen – auf diesen Wirkungen wollen wir aufbauen und darüber kommunizieren.

Ihr seid mitten im Projekt- und folglich Evaluationsprozess: Welche Zwischenresultate habt ihr in Bezug auf die zwei Hauptziele bereits erreicht?

Einerseits sind wir auf gutem Weg, ein Evaluationsdesign zu entwickeln, welches die Projektleitenden als Instrument für die ständige Projektoptimierung benutzen. Wir werten Erfolgsfaktoren und Verbesserungspotentiale nach jedem Workshop, welcher integraler Bestandteil des Projektes bildet, aus. Die daraus resultierenden Schlussfolgerungen und Empfehlungen teilen wir mit unseren Kollegen, welche das Projekt operativ leiten. Die Evaluation ist folglich kein Fremder oder Eindringling im Projekt, sondern harmonisch darin eingebettet. Unser zweites Ziel, die Wirkungsmessung, ist ein trickreicheres Unterfangen: Hier ist es wichtig, eine langfristige Perspektive einzunehmen und Daten über einen Zeitraum zu vergleichen. Erste Resultate zeigen uns, dass die Projektteilnehmenden neue Arbeitsmodelle und -ansätze, welche sie in Workshops erlernen resp. entwickeln, auch in ihrem Berufsalltag anwenden. Genau das wollen wir bewirken.

Evaluationen werden oft als ein Muss wahrgenommen. Im Gegensatz dazu habt ihr euch zum Ziel gesetzt, ein Evaluationsdesign zu entwickeln, welches die Werte eurer Organisation adäquat spiegelt – Werte wie freudvolles Engagement, Kreativität und «out-of-the-box»-Denken. Mit welchen Herausforderungen seht ihr euch bei diesem Prozess konfrontiert?

Die grösste Herausforderung besteht für uns darin, dass wir uns von konventionellen Methoden, mit denen Evaluationen meistens durchgeführt werden, lösen. Dahinter stecken ein Mentalitätswechsel und eine neue Denkart: Es geht nicht darum, laufend zu denken, dass man ein Projekt evaluieren muss oder – wie es viele von uns aus der Schulzeit kennen – Fehler und Mängel aufzudecken. Vielmehr geht es darum, zu reflektieren, welche Informationen allen Beteiligten helfen, aus Prozessen zu lernen und diese Prozesse kontinuierlich zu verbessern. Diese Denkart impliziert, dass Evaluationsteam, Projektleitende und Projektteilnehmende eng zusammenarbeiten und sich austauschen. Wir sind nach wie vor daran, die vielfach bestehende Lücke zwischen Projekt und Evaluation zu schliessen. Wie jeder Mentalitätswechsel erfordert dieser Schritt auch in unserer Organisation Zeit.

Was sind konkrete Methoden, mit welcher eine Evaluation aus eurer Sicht gemeinsames Lernen und Partizipation fördern kann?

Für The Unleash Project haben wir eine innovative Umfragemethodik entworfen: Die Umfrage basiert auf einem Online-Fragebogen, welcher Informationen mit farbigen Visualisierungen, bewegten Bildern und attraktiven Formulierungen generiert. Wichtig ist, dass wir dieses Instrument nicht mehr im klassischen Sinn als «Umfrage» bezeichnen, sondern ihm einen eigenständigen Namen geben: Der «Happymeter» besagt, dass uns mit der Befragung primär die Zufriedenheit der Projektteilnehmenden interessiert. Viele der Teilnehmenden äussern im Kommentarfeld explizit Begeisterung für das Befragungsformat, was uns in unserer Methodik bestätigt. Ein weiteres Schlüsselelement bilden für uns sogenannte Echtzeit-Evaluationsinstrumente: Wir nutzen ausgewählte Momente in der Projektumsetzung, um Daten zu erheben. Beispielsweise findet am Ende jedes Workshops eine Abschlussrunde statt. Für diese Runde stellen wir den Projektleitenden Methoden zur Verfügung, um Erfahrungen interaktiv mit den Teilnehmenden zu reflektieren – unsere Rolle als Evaluationsteam besteht anschliessend darin, die Inhalte aus diesem Debriefing systematisch zu analysieren.

Welche Unterstützung bietet euch socialdesign bei der Entwicklung eures Evaluationsdesigns?

Wir erleben die Zusammenarbeit mit socialdesign als Coaching, das uns befähigt, unsere eigenen Lösungen zu finden. socialdesign führt uns durch diesen Prozess, stellt Fragen und zeigt uns Möglichkeiten auf um dorthin zu gelangen, wo wir selbst hinwollen. Besonders intensiv und inspirierend sind die gemeinsamen Workshops: socialdesign sagt uns darin nicht, was wir tun sollen, sondern unterstützt uns, selber Antworten zu entwickeln. Als Resultat dieser Ko-Kreation ziehen wir für uns aus jedem Workshop viel neues Wissen und Inputs. In persönlicher Sicht hat die Zusammenarbeit mit socialdesign mein eigenes Interesse an einer Coaching-Tätigkeit geweckt. Ich begleite bereits jetzt andere Organisationen bei der Durchführung von Evaluationen und möchte dieses Engagement in Zukunft verstärken.

Während wir dieses Interview führen, sitzt du an deinem Arbeitsplatz in Portugal: euforia besteht aus einem Team mit Mitarbeitenden, welche in vielen verschiedenen Städten und Ländern arbeiten. Die Relevanz von Mobilität und ortsunabhängigen Arbeitsmodellen nimmt laufend zu – welches Rezept wendet euforia an, damit ‘remote work’ ein Erfolg ist?

Menschlichkeit und Wohlbefinden stehen bei uns an erster Stelle. Als Schlüsselzutat in unserem Rezept erachte ich unsere Retraiten: Das ganze Team von euforia trifft sich zweimal jährlich – im Frühjahr an einem schönen Ort in den Bergen, im Herbst am Meer. Während einer Woche arbeiten wir jeweils intensiv zusammen und lernen uns gleichzeitig beim gemeinsamen Kochen, Essen und vielen Aktivitäten persönlich besser kennen. Diese Verbindung befähigt uns, im Arbeitsalltag trotz räumlicher Distanz eng zusammenzuarbeiten. Im Alltag arbeiten wir oft mit moderner Kommunikation: Zu Beginn jeder Skype- oder Hangout-Konversation nehmen wir uns dabei Zeit, uns über unser aktuelles persönliches Wohlbefinden austauschen. Diese «personal checkings» sind unser Erfolgsrezept.

Vielen Dank für dieses Interview, Luís.

Theoretische Wirkfaktoren finden in der Online-Mailberatung praktische Anwendung

Interview mit Salomé Steinle, stellvertretende Sektionsleiterin, BAG (Sektion Prävention in der Gesundheitsversorgung)

Für Menschen, die von einer Suchtproblematik betroffen sind, aber auch für deren Angehörige, ist die Schwelle, Hilfe, Rat oder eine Beratung aufzusuchen, oft sehr hoch. Niederschwellige Angebote könnten hierbei Abhilfe schaffen. SafeZone.ch stellt ein solches niederschwelliges Angebot dar: Es ist ein online Portal für kostenlose und anonyme Online-Beratung zu Suchtfragen für Betroffene, deren Angehörige und Nahestehende, für Fachpersonen und Interessierte.

socialdesign führte im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) die umfassende Studie «Anwendung von Wirkfaktoren in der Emailberatung von SafeZone.ch» durch. Die Studie untersuchte den Verlauf und den Inhalt von über 1’000 Mailberatungen, die zwischen 2014-2017 auf SafeZone.ch durchgeführt worden sind. Dabei wurden die in der Theorie und Literatur auffindbaren Wirkfaktoren operationalisiert und erstmals empirisch untersucht. Basierend auf den Ergebnissen und im Rahmen eines Workshops mit der Auftraggeberschaft formulierte socialdesign eine Reihe von praxisorientierten Empfehlungen, um die Beratungspraxis bei SafeZone.ch zu optimieren. Der Bericht sowie die Executive Summaries auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch können hier konsultiert werden.

Wir haben Salomé Steinle, stellvertretende Sektionsleiterin der Sektion Prävention in der Gesundheitsversorgung des BAG zur Studie befragt:

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Interview mit Bruno Bianchet, Leiter Abteilung Erwachsenen- und Kindesschutz (EKS) der Stadt Biel

Interview mit Bruno Bianchet, Leiter Abteilung Erwachsenen- und Kindesschutz (EKS) der Stadt Biel

Zu Beginn dieses Jahres (2017) hat die Abteilung Erwachsenen- und Kindesschutz EKS der Stadt Biel ein selbst entwickeltes Qualitätsmanagement-System (QMS) eingeführt. Von Bruno Bianchet, Leiter EKS, erfahren wir die Gründe dafür, welchen Herausforderungen die Abteilung gegenüberstand, was für die Zukunft geplant ist und auf welche Dinge geachtet werden sollte.

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Interview mit Marco Andreu und Michael Prucha, Gründer von ziiig (ziiig.net)

Interview mit Marco Andreu und Michael Prucha, Gründer von ziiig (ziiig.net).

Gruppenaktivitäten übersichtlich und mühelos planen — dieses Ziel verfolgen Marco Andreu, Michael Prucha und ihr Team. Letzten Frühling haben sie eine voll funktionsfähige Beta-Version ihrer Plattform lanciert und berichten im Gespräch mit socialdesign über ihre Beweggründe, Tücken der Softwareentwicklung und ihre Pläne für die Zukunft.

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