Glarner Nachrichten berichten über Umfrage

Mit dem Kanton Glarus arbeitet socialdesign aktuell an einem Auftrag, in dem es darum geht, die Selbstbestimmung und soziale Teilhabe von Menschen mit Behinderung im Kanton weiter zu fördern.

Dazu braucht es alle Beteiligten. Ursprünglich waren Runde Tische mit verschiedenen Vertreter:innen aus der Bevölkerung aus dem Kanton geplant, an welchen über Themen wie Arbeiten, Wohnen und Freizeitgestaltung von Menschen mit Behinderung diskutiert werden sollte. Wegen Covid-19 können die Glarner:innen nun ihre Meinung mittels einer Online-Umfrage, welche gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe und dem Kanton Glarus erarbeitet wurde, kundtun. Lesen Sie in den Glarner Nachrichten mehr zu diesem inklusiven Projekt.

Öffnung der Institutionen – Umgang mit Diversität

Autorin: Ricarda Ettlin, socialdesign ag

Unsere Gesellschaft ist von Diversität geprägt – kulturelle Heterogenität ist heute Normalität. Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen Werten, Hintergründen und Lebensentwürfen, die sich in ihren Kommunikations- und Repräsentationsmitteln unterscheiden, leben miteinander. Damit alle Bevölkerungsgruppen Zugang zu Ressourcen (z.B. Dienstleistungen und Arbeitsplätze) haben, sind Institutionen unserer Gesellschaft wie die Schule, die Gemeindeverwaltung, Vereine oder auch Firmen gefordert, sich dieser Diversität gegenüber zu öffnen. Wie funktioniert ein solcher Öffnungsprozess und was ist dessen Nutzen?


Die Institutionen unserer Gesellschaft sind in ihren Organisationsformen historisch geprägt. Im Kontext der heutigen kulturellen Heterogenität zeigt sich, dass diese Organisationsformen Zugangsbarrieren für gewisse Bevölkerungsgruppen beinhalten. Mit Blick auf Migrant:innen bestehen z.B. gesetzliche Barrieren (Aufenthaltsstatus; Anerkennung Diplome) beim Zugang zu Arbeitsplätzen. Sprachkenntnisse, unterschiedliche Kommunikationsverhalten und Informationslücken sind weitere Faktoren, die eine Inanspruchnahme von Dienstleistungen und den Zugang zu Arbeit behindern. Aus diesen Zugangsbarrieren entsteht eine indirekte oder mittelbare Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen.

Die Fachstelle für Rassismusbekämpfung (FRB) definiert diese Diskriminierungsform wie folgt: «Als indirekte oder mittelbare Diskriminierung werden gesetzliche Grundlagen, Politiken oder Praktiken bezeichnet, welche trotz ihrer augenscheinlichen Neutralität im Ergebnis zu einer nicht zulässigen Ungleichbehandlung führen».

Bei der Öffnung der Institutionen geht es also darum, Zugangsbarrieren abzubauen und damit indirekte Diskriminierung vorzubeugen. Ziel ist es, Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit zu begünstigen.

Konkret streben Institutionen die Öffnung aus verschiedenen Gründen an:

  • Verwaltungen, Spitäler und Schule haben z.B. einen gesetzlichen Auftrag, allen Bevölkerungsgruppen ihre Leistungen zugänglich zu machen.
  • Vereine suchen neue Mitglieder und möchten sich neuen Bevölkerungsgruppen öffnen.
  • Die Personalabteilung einer Firma will die Vielfalt der Arbeitnehmenden (z. B. sprachliche Kompetenzen, unterschiedliche Arbeitsmethoden und -erfahrungen) als Potential nutzen.

Die Öffnung der Institutionen ist ein Prozess: «bei der transkulturellen Öffnung geht es […] darum, einen tiefgreifenden und nachhaltigen Wandel der gesamten institutionellen Struktur und des Handelns aller MitarbeiterInnen herbeizuführen, um damit den Zugang von Minderheiten zu Dienstleistungen und Arbeitsplätzen zu verbessern.»*

Der Öffnungsprozess kann in vier Schritte aufgeteilt werden:

Schritt 1

Die Sensibilisierung bzgl. der indirekten Diskriminierung aufgrund gewisser internen Abläufe und Strukturen ist notwendig, damit Zugangsbarrieren überhaupt erkannt werden können. Oftmals ist es so, dass der Institution gar nicht bewusst ist, wie gewisse Regelungen, Erwartungen und Kommunikationsformen gewisse Bevölkerungsgruppen benachteiligen können.

Schritt 2

Eine Auseinandersetzung mit den Thema Diversität, möglicher Zugangsbarrieren und die Analyse des Handlungsbedarfs ermöglichen es, konkrete Massnahmen zum Abbau von diskriminierenden Regelungen und Praktiken zu entwickeln.

Schritt 3

Die Massnahmen werden umgesetzt.

Schritt 4

Wichtig ist, die Wirkung der Massnahmen zu überprüfen, um sicher zu stellen, dass die Zugangsbarrieren tatsächlich abgebaut wurden.
Die Schritte eins bis vier können in einen fortwährenden Kreislauf als Qualitätsmanagement und im Sinne einer lernenden Organisation wiederholt werden.


Öffnungsmassnahmen gibt es viele und müssen jeweils auf die Problemlage der Institution angepasst werden. Beispiele von Öffnungsmassnahmen sind:

  • Mehrsprachige Broschüren und Formulare bei der Gemeinde
  • Dolmetschdienste in Spitälern
  • Anonymisierte Rekrutierungsverfahren und gezielte Ausrichtung der Stellenangebote auf eine diverse Arbeitnehmerschaft
  • Selbstreflexion mit Ziel einer Überprüfung der Praktiken, was auch ein Wandel in den Köpfen und im Handeln der Mitarbeitenden bedingt (Vorurteile reflektieren etc.)

 

Die Institutionen ziehen einen Nutzen aus dem Öffnungsprozess. Zum Beispiel, indem sie die Vielfalt der Gesellschaft in der Mitarbeiterschaft abbilden profitieren sie von vielfältigen Kompetenzen und Erfahrungen. Gerade in Bereichen, wo die Institution mit ganz unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in Kontakt steht, kann dies hilfreich sein. Ausserdem erschliesst die Öffnung der Institution Zugang zu neuen Arbeitskräften, ein wichtiges Argument im Kontext des Fachkräftemangels in bestimmten Sektoren. Für die Verwaltung und andere Institutionen, die gesetzlich festgelegte Dienstleistungen an die Bevölkerung erbringen, ermöglicht ein Öffnungsprozess die Umsetzung des gesetzlichen Auftrags, indem sie auf die spezifischen Bedürfnisse einzelner Bevölkerungsgruppen besser eingehen.


Weitere Informationen

 

Leitfäden der Fachstelle für Rassismusbekämpfung

 

*Arn, Brigitte (2004). Öffnung von Institutionen der Zivilgesellschaft. Schweizerisches Rotes Kreuz SRK. Im Auftrag des IMES und der EKA, S. 16.

Evaluation der IV-Eingliederungsmassnahmen

Im Juni 2007 hat sich die Schweizer Bevölkerung für die 5. IV-Revision ausgesprochen. Mit der Revision wurde die Invalidenversicherung (IV) neu ausgerichtet. Unter anderem erfolgte ein Ausbau der Integrations- resp. Eingliederungsmassnahmen. Diese Massnahmen sollen die Versicherten darauf vorbereiten, sich wieder in die Arbeitswelt einzugliedern. Über die Entwicklung der Massnahmen, deren Umsetzung, Kosten und die angestrebten Ziele, gibt der kürzlich erschienene Evaluationsbericht Auskunft. Dieser wurde vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) in Auftrag gegeben und durch across concept und socialdesign gemeinsam verfasst.

Finanzierung von Schnittstellen

Interview mit Ursula Fringer Schai und Simon Meier

Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen oder Alters- und Pflegeheime sowie Psychiatrien sehen sich zusehends mit komplexen Finanzierungsfällen konfrontiert. Wird zum Beispiel eine Person, die schon lange in einer Institution für Menschen mit Behinderungen lebt, 65 Jahre alt, ist nunmehr nicht nur die IV sondern auch die AHV für die Finanzierung zuständig. Steigt nun der Pflegebedarf einer Person und es werden umfassende Pflegeleistungen notwendig, kommt die zusätzliche Finanzierungslogik des Krankenversicherungsgesetzes dazu.

 

Lesen Sie in diesem Interview, welche Konsequenzen dies für sogenannt «gemischt finanzierte Institutionen hat» und was dies für die Menschen, die in diesen Institutionen leben, bedeutet.

Francesca Rickli führte dieses Interview mit Ursula Fringer Schai, Senior Projektleiterin und Partnerin bei socialdesign und Simon Meier, Projektleiter bei socialdesign.

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Generationen im Museum (GiM) – Begleitevaluation

Menschen aus verschiedenen Generationen und Lebenswelten treffen sich im Museum. Sie tauschen sich aus, wählen im Tandem ein Lieblingsobjekt und erfinden dazu eine Geschichte. Das ist GiM-Generationen im Museum. Die erfundenen Geschichten werden im Musée imaginaire Suisse geteilt. GiM wird von Kuverum Services in Zusammenarbeit mit Migros-Kulturprozent realisiert. Im Auftrag des Migros-Genossenschafts-Bundes hat socialdesign eine Begleitevaluation von GiM durchgeführt. Die Ergebnisse dazu finden Sie im Evaluationsbericht.

«Wir wissen noch nicht, worauf es wirklich ankommt»

Interview mit Roger Staub

Roger Staub verfügt über einen Master of Public Health und einen Master in Applied Ethics. Er war Mitbegründer der Aids-Hilfe Schweiz und über viele Jahre Leiter der STOP AIDS-Kampagne beim Bundesamt für Gesundheit BAG. Seit 2017 ist er Geschäftsleiter der Stiftung Pro Mente Sana und setzt sich als Präventionsfachmann auch für erste Hilfe im Bereich psychische Gesundheit ein.

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Permanentes Online-Sein – Jugendliche sind reflektierter als Erwachsene

E-Mail schreiben, Agenda checken, News lesen, Kurznachricht schreiben. Stellen Sie auch fest, dass Sie zunehmend häufiger online sind (oder sein müssen)? Der heutige Alltag ist geprägt von der digitalen Vernetzung. Aber wie wird dieses permanente Online-Sein wahrgenommen? Inwiefern unterscheidet sich die Wahrnehmung der jugendlichen und erwachsenen Personen? Antworten auf diese Fragen finden Sie in einer kürzlich erschienenen Broschüre der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ)

Drug Checkings in Kontakt- und Anlaufstellen: Evaluation eines Pilotprojektes

Drug Checkings stellen ein Instrument der Schadensminderung dar. Schadensminderung bildet eine von vier Säulen der schweizerischen Drogenpolitik und ist Teil der Nationalen Strategie Sucht. Was ist der Nutzen eines Drug Checkings in Kontakt- und Anlaufstellen für die Nutzerinnen und Nutzer dieser Einrichtungen? Wie wirkt sich eine Substanzanalyse und Beratung auf das Wissen zu schadensminderndem Konsum aus? Kann ein Drug Checking das effektive Konsumverhalten beeinflussen? Diese und weitere Fragen standen im Zentrum der vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) beauftragten Evaluation des Pilotprojekts «Beurteilung und Begleitung des Drug Checkings in Kontakt- und Anlaufstellen». Hier geht es zum ausführlichen Evaluationsbericht, das zusammenfassende Faktenblatt finden Sie hier.

Academy-Anlass 2019

Am 31. Oktober 2019 fand der socialdesign Academy-Anlass statt. In zwei Kurzreferaten hatten Interessierte die Gelegenheit, einen Einblick in die aktuellen Themen “Gleichstellung” und “Alter” zu erhalten.

Gleiche Rechte für Menschen mit Behinderung – auch gleiche Chancen?

Referat von Dr. Simon Meier, Projekte & Beratung

Die Frage der Gleichstellung von Menschen mit und ohne Behinderung ist eines der wichtigen politischen Anliegen der letzten Jahre. Mit der UN Behindertenrechtskonvention weht ein neuer Wind im Bereich der Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Diese umzusetzen resp. eine inklusive Gesellschaft anzustreben, ist und bleibt eine Herausforderung für Behörden, Fachpersonen und die gesamte Gesellschaft. Im Referat erfuhren die Teilnehmenden mehr zum aktuellen Diskurs über Gleichstellung, soziale Teilhabe und Selbstbestimmung in der Schweiz. Darauf aufbauend wurde mittels Praxisbeispielen veranschaulicht, welche spezifischen Haltungen, Kenntnisse und Fähigkeiten unterstützen, um unter den veränderten Rahmenbedingungen kompetent tätig zu sein und eine möglichst hohe Chancengleichheit für Menschen mit Behinderung zu ermöglichen. Hier finden Sie die Präsentation zum Referat.

 

Heutige Alter(n)sbilder

Referat von Dr. phil. Francesca Rickli, Projekte & Beratung

Wie die AHV als Sozialwerk zukünftig schwarze Zahlen schreiben soll, beschäftigt aktuell die ganze Schweiz. Doch stellt sich dabei die Frage, wie wollen wir eigentlich alt werden? Welche Konsequenzen haben der demographische Wandel und das als marode verschriene System auf unsere Altersbilder?
In diesem spannenden Kurzreferat erhielten die Teilnehmenden basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen einen vielschichtigen Einblick in gängige Alter(n)sbilder. Wie wurde aus dem Grossmütterchen auf der Ofenbank die aktive Grossmutter in atmungsaktiver Outdoor-Kleidung und wer profitiert von positiven Alter(n)sbildern und wer bleibt davon ausgeschlossen? Hier finden Sie die Präsentation zum Referat.

 

 

Haben Sie Fragen zu den Themen oder zu den Präsentationen? Unser Referent Dr. Simon Meier und unsere Referentin Dr. phil. Francesca Rickli stehen Ihnen gerne für Ihre Fragen und einen Austausch zur Verfügung.